“ Opium für’s Volk?“ Götter, Geister, Philosophen und Schamanen: Chinas vielfältige religiöse Glaubensgemeinschaften zwischen Staat und Gesellschaft

Einladung zum Vortrag am 15. Januar 2025, 19.00 Uhr in der VHS Krefeld, Muche-Saal und online über ZOOM, in Kooperation mit der Asien-Akademie der VHS Krefeld

Professor Dr. Thomas Heberer

“ Opium fürs Volk?“
Götter, Geister, Philosophen und Schamanen:
Chinas vielfältige religiöse Glaubensgemeinschaften zwischen Staat und Gesellschaft

Weltbilder, Philosophien, Religionen prägen Menschen, ihre Denk- und Verhaltensweisen. Europäer wissen im Grunde wenig Konkretes über deren Ausprägungen in Ostasien.

Religion in China ist etwas außerordentlich Praktisches. Jedes Ritual, jede Zeremonie und jeder Gott und Tempel ist unmittelbar mit unterschiedlichen menschlichen Bedürfnissen verbunden wie Nahrung, Wohlstand, berufliches Fortkommen, Fortpflanzung, Schutz vor Feinden, Unbilden der Natur, Krankheiten, Langlebigkeit usw. Dieses praktische Moment der chinesischen Religion, das sich in der Verehrung unzähliger Gottheiten ausdrückt, macht den Kernunterschied zur christlichen Religion aus. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die europäische Philosophen seit Jahrhunderten bewegt, hat in China nie eine große Rolle gespielt.

Traditionell bezeichnete man Religion als „Lehre“ (jiao, 教). Ein prinzipieller Unterschied zwischen Religion und Lehre wurde nicht gemacht. Folglich fehlt im Sprachgebrauch auch eine Unterscheidung dieser beiden Begriffe. Für Chinesen ist Religion also eine Lehre unter vielen anderen. Sie schließt andere Lehren nicht aus und kann als Lehrmeinung oder Schule nicht das Vorrecht alleiniger und unfehlbarer Gültigkeit beanspruchen. In China existiert eine Vielzahl von „Lehren“, und es gab keine fest umrissene Abgrenzung zwischen Religionen im Sinne unseres Religionsbegriffes.

Häufig kam es zu Vermischungen zwischen verschiedenen philosophischen Lehren und unterschiedlichen Religionen. Bei der chinesischen „Volksreligion“ z.B., die weder eine Organisation noch einen Klerus kennt und große regionale Besonderheiten und Variationen aufweist, handelt es sich um ein Konglomerat von konfuzianischen, daoistischen und buddhistischen Vorstellungen mit Ahnenverehrung, einer Vielfalt von Götter- und Geisterglauben, Feng-Shui, lokalen Kulten etc. Häufig haben sich auch volksreligiöse mit christlichen Glaubensvorstellungen vermischt, so dass eine Abgrenzung zwischen den Religionen und Glaubensrichtungen oft schwierig ist. Daneben existieren schamanistische und animistische Religionsformen bei ethnischen Minderheiten.

Der Einfluss der Religion hat seit den 1980er Jahren signifikant zugenommen. Rasante Prozesse technologischen und sozialen Wandels, in deren Verlauf sich traditionelle Gemeinschaften (Familie, Dorfgemeinschaft) auflösen, Werte und Bindungen zerfallen, begleitet von wachsender gesellschaftlicher Gefühlskälte, Vereinsamung, Vereinzelung, sozialer Frustration und Unsicherheit sind einige Gründe dafür. Das Scheitern der maoistischen Utopie hinterließ ein Werte- und Sinnvakuum und damit eine Sehnsucht nach neuer spiritueller Sinngebung. All dies schlug um in ein starkes Bedürfnis nach religiöser Praxis und Bedürfnisbefriedigung.

Der Referent:

Prof. Heberer ist Ethnologe, Politikwissenschaftler sowie Sinologe und Seniorprofessor für Politik und Gesellschaft Chinas an der Universität Duisburg-Essen. Er beschäftigt sich seit über 50 Jahren mit China, war 1975 erstmals in diesem Land. Von 1977-1981 war er als Lektor und Übersetzer an einem chinesischen Verlag in Peking tätig, danach fast jährlich mindestens drei Monate zu Feldforschungszwecken zu verschiedenen Themen und in verschiedenen Regionen Chinas unterwegs. Er hat über 60 Bücher und Hunderte von Aufsätzen über China verfasst, überwiegend in deutscher, englischer und chinesischer Sprache.

Dieser Vortrag wird als Stiftungsvortrag Traute Nieter von der Familie Nieter besonders gefördert, um an die Gründerin der GDCF Krefeld-Niederrhein e. V. und ihre großen Verdienste zu erinnern.

Wir wünschen Ihnen ein gutes Jahr 2025 und freuen uns auf Sie am 15.Januar um 19 Uhr in der VHS Krefeld oder auch Online via ZOOM!

Mitglieder der GDCF Krefeld-Niederrhein erhalten den ZOOM -Link mit der persönlichen Einladung.

Gäste sind herzlich willkommen!

Falls Sie als Gast über ZOOM teilnehmen möchten, bitte  Anmeldung  und  Zahlung von 8€ an die VHS Krefeld: Kundenservice/Anmeldung
Tel.: 02151/86-2664
E-Mail: vhs@krefeld.de